1.3    f a m i l i e n f o r s c h u n g

D r a h e i m in  Ungarn - Wilhelm Leopold Draheim von Kenyhecz

Forschungsanlass

Aufgrund der besonderen Stellung von Wilhelm Leopold Draheim von Kenyhecz (~1640 bis ~1715) im damaligen Oberungarn, der heutigen Slowakei, und den umfangreichen Archivalien zu seiner Person wird dieser Familienzweig recherchiert.  Die ihm zugute kommende Schenkung umfangreicher Ländereien durch die ungarische Hofkanzlei vom 19. Oktober 1676, und der lateinisch verfassten Urkunde der fürstlichen Kammer in Linz vom 27. Februar 1681 ist zu entnehmen, welche Reputation Wilhelm Leopold von Draheim in der  damaligen ungarischen Ostslowakei besaß.

Ziel der weiteren Untersuchungen ist es, die persönlichen Daten von Wilhelm Leopold Draheim und seine Herkunft in Erfahrung zu bringen. Es kann unterstellt werden, dass er um 1640 allein oder mit seinen Eltern, im Zuge der Zuwanderung deutscher Einwanderer (Zipser Sachsen) nach Oberungarn (Ostslowakei) gekommen ist.

Der Name Draheim von Kenyhecz ist seit Anfang des 18. Jahrhunderts infolge Fehlens männlicher Nachkommen erloschen. In zwei Ehen hat er jeweils eine Tochter hinterlassen. Insofern kann unterstellt werden, dass Wilhelm Leopold Draheim als Einzelperson, ohne weitere Familienangehörige Anfang des 17. Jahrhunderts nach Oberungarn eingewandert ist.

Geschichtlicher Hintergrund

Die ungarischen Könige siedelten ab dem 12. Jahrhundert deutsche Bauern, Bergleute und Handwerker in Oberungarn an. Sie gewährten ihnen Selbstverwaltung mit eigenem Recht, was zu einer Sonderstellung der Zipser Sachsen in ihren autonomen Städten gegenüber der slowakischen Landbevölkerung führte. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Sonderstellung von Ungarn aufgehoben. Auswanderung nach Übersee und Nachrücken der Slowaken in die Städte sowie Magyarisierung reduzierten den Bestand der Zipser Sachsen. Seit 1918 sind keine nennenswerten deutschen Spuren mehr zu erkennen.

Die Ziepser Kammer stellte im 16. Jahrhundert im damaligen Oberungarn/Ostslowakei eine bedeutende Wirtschaftskraft dar. Sie wurde begründet von den Einwanderern aus Deutschland, insbesondere dem Rheinland und Brandenburg. Der Sammelbegriff für diese Einwanderungsgruppe lautete Zipser Sachsen, was nicht bedeutete, dass es sich um Einwanderer aus Sachsen handelte. Sie erlangten infolge ihres  landwirtschaftlichen und handwerklichen Geschicks auf allen Gebieten des Wirtschaftlebens eine weitgehende Autonomie mit Gewährleistung von Sonderrechten, zum Beispiel Beibehaltung der deutschen Sprache und ihrer Kultur. 

Recherchen

In dem Werk DER UNGARISCHE ADEL von Géza von Csergheö und Josef von Csoma, erschienen in Nürnberg bis 1894, wird berichtet über die Familie von Wilhelm Leopold Draheim von Kenyhecz. Wilhelm Leopold Draheim von Kenyhecz (Kenyhecz heute: Kechnec/Slowakei)  war Präfekt und Fiskalgüterdirektor der königlichen Zipser Kammer zu Kaschau/Kassa/Košice, (heute Slowakei).

Der überwiegende Archivbestand zur Organisation der Zipser Kammer befindet sich im Ungarischen Staatsarchiv Budapest (Archiv der königlich ungarischen Hofkanzlei). Dieser wurde in 2002 gründlich durchgesehen. Eine Reihe von Dokumenten wurde kopiert und später ausgewertet. Weitere Dokumente zu Wilhelm Leopold Draheim von Kenyhecz sind im Slowakischen Nationalarchiv Bratislava und in den Regionalarchiven zu Košice und Levoca (Archiv des Konvent zu Lelesz) archiviert. Diese wurden in einer ersten Sondierung von Zdenko G. Alexy aus Bratislava im Jahre 2004 nach Spuren von Wilhelm Leopold Draheim durchgesehen. Erste Ergebnisse:

Recherchen von Zdenko G. Alexy im Nationalarchiv in Bratislava und im Stadtarchiv Košice,  2004

Archivmaterial des Konvents der Premonstratener von Lelesz (Leles) im Nationalarchiv Bratislava:

  • Dokument Nummer 14 vom Februar 1715, fassio parenalis zur Ausführung des Testaments von Wilhelm Leopold Draheim.
  • Dokument 22 vom 01. März 1721 inscriptio zum Vermögen von Mária Draheim.
  • Dokument Nummer 56 vom 28. Mai 1725 Testament der Mária Tchech, geborene Draheim.
  • Dokument Nummer 17 vom 10. Juni 1752 zum Gerichtsverfahren von Stephanus Kery gegen Clára Draheim betreffend das Gut in Kechnec (Kenyhecz).

Transkriptionen und Auswertungen sind in Arbeit.

Stadtarchiv in Košice (Cassovia, Kaschau, Kassa), Slowakei:

  • Signaturen Nr’n. 9736, 9981 und 10002: Regelungen bezüglich einer Zahlung, eines Mitbenutzungsrechtes und der Steuerzahlung  an einem Haus in Kaschau, an dem Wilhelm Leopold Draheim Miteigentümer war.
  • Signaturen Nr’n. 10063, 10075, 10131, 10135: Betreffen den angeblichen Ehebruch der Ehefrau von Wilhelm Leopold Draheim, Clára Gataly (Gachaly).

Transkriptionen und Auswertungen sind in Arbeit.

Die Recherchen werden fortgeführt.

Staatsarchiv zu Beregove, Ukraine, dort werden Archivalien im ehemaligen Archiv vom 'Komitat Ung' vermutet.

Links:

  1. Wappen Draheim aus dem 18. Jahrhundert, 238 KB
  2. Zusammenfassung der Recherchen,  47 KB
  3. Nachkommen gesamt,  26 KB
  4. Genealogische Graphik,  184 KB
  5. Schenkungsurkunde Deutsch,  28 KB
  6. Schenkungsurkunde Latein,  25 KB
  7. Bégányi család · Familie Bégány,  23 KB
  8. Thökölý Aufsatz aus 1888,  22 KB
  9. Aktenanalyse,  67 KB
  10. Auszug aus Jenő Szűcs: A Szepesi Kamarai Levéltár 1567-1813, Budapest 1990,  53 KB
  11. Bibliographie,  43 KB
  12. Geschichte der Ukrainischen Oblast Transkarpatien, 81 KB

 

 
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  Stand: März 2009

Horst Draheim